Weg zur Tango-Leidenschaft
Die entscheidenden Weichen werden im Leben oft durch Zufälle gestellt.

Tango Multilingual Cuarteto

Hamburg

Gerade erst an der Schauspielschule in Hamburg angekommen, sieht sich Alexandra mit grossen Geldsorgen konfrontiert.

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Das hart Ersparte, mit dem sie sich Schule und Lebensunterhalt hätte finanzieren wollen, ist verschwunden. Ein Werbeumschlag hätte die Geldreserve tarnen sollen. Leider nicht als “Geld-Tresor” erkannt, wirft ihre Zimmergenossin den Umschlag mit dem kleinen Vermögen beim Aufräumen in den Kehricht. Für Alexandra beginnt eine sehr harte Zeit: Während des Tages geht sie ihrem Schauspiel Studium nach.
Es bleibt also die Nacht, um ein Minimum zum Überleben zu verdienen. Sie findet einen Job in einer Jazz Bar, wo die Konditionen schlecht, die Arbeitszeit fordernd (23h – 02h) und die Stunden lang sind. Aber immerhin bringt sie sich mit dem Trinkgeld und dem Imbiss während der Vorbereitung der Canapés knapp über die Runden.

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Winter: Alexandras‘ Einzimmerwohnung ist ungeheizt und entsprechend feucht und garstig. Eine neue Überlebensfrage stellt sich: Wo ist es warm – wo kann sie sich ausserhalb der Schule aufwärmen und Texte lernen? Sie findet ihre neue “Tagesstätte” im «Kaffee Keese», einem warmen, Plüsch dominierten Tanzkaffee für allerlei Leute. Sie gibt sich als Freundin eines der Musiker aus und kann hier die kalten Winternachmittage verbringen. Die märchenhafte Welt des «Keese», die vielen einsamen Menschen Geborgenheit und sozialen Zusammenhalt gibt und in der europäischer Tango getanzt wird, fasziniert sie
zunehmend. Die warme Atmosphäre mit der Musik der Heimatlosen wird ihr zum «Lebenselixier», das Kraft gibt und verbindet. Sie beschliesst, irgendwann an die Quelle des Tango-Tanzes und der Tango-Poesie zu reisen, um diese Kultur eingehend zu studieren.

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Diese Idee wird etwas später auch durch den argentinischen Regisseur Fernandez Augusto genährt, mit welchem Alexandra nach der Ausbildung während ihres ersten Engagements am Hamburger Schauspielhaus arbeitet. Er bringt sie auf die Fährte von Borges’
Erzählungen.

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Buenos Aires

Im Frühjahr 1983 reist sie mit Partner David und zwei künftigen Projektpartnern nach Buenos Aires, um «Tango Argentino» tanzen zu lernen, sich mit den «Tango aficionados» auszutauschen, und den grossen argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges zu treffen.

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Es zeigt sich bald, dass die Tango-Szene, wie sie unter anderem von Borges beschrieben wurde, mit der Militär-Diktatur praktisch verschwunden ist. Es scheint, dass die Clubs der Faschisten diese Tanzkultur gepachtet haben und sich sonst fast niemand mehr damit identifizieren will. Gespräche über Tanz und Poesie finden in Hinterzimmern statt und nach beharrlicher Suche findet sich ein eigenwilliger Tänzer und Show-Choreograf – Juan Andino – der bereit ist, ihnen das Tango-Tanzen beizubringen.

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Es braucht viel Geduld, da seine pädagogischen Praktiken sehr ungewöhnlich sind: Juan demonstriert die Schritte, die Schüler müssen zusehen und versuchen, zu Hause zu üben, was sie visuell mitbekommen haben. Juan ist stolz auf seine Schüler und will, dass sie das Gelernte im «Italia» vortragen, der zu dieser Zeit einzigen „Milonga“ von Buenos Aires und Treffpunkt der Italien-stämmigen Faschisten – was die Schweizer natürlich nicht wissen. Nach einem ersten missglückten Versuch stellen sie sich der Feuertaufe nochmals, die diesmal gelingt: Die Frontseite der Zeitung von «El pais» titelt mit : «Los suizos locos que quieren aprender el tango» (die verrückten Schweizer die lernen wollen, Tango zu tanzen). Im «Italia» ist der Applaus tosend, im «El pais» die Kritik grossartig.

Zürich

Zurück in der Schweiz, lanciert Alexandra ihr erstes Tango-Tanztheater-Projekt «TANGO PALACE».

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Inhaltlich orientiert es sich an Jorge Luis Borges’ Erzählung «Hombre de la esquina rosada», eine Parabel über Archetypen des Tangokosmos – welche vieles mit ihren Erlebissen im Tanzkaffee «Keese», gemeinsam hat – natürlich stark dramatisiert und überzeichnet.

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Für das Tanztheater–Projekt «TANGO PALACE» wird ein grosses Zelt als „Milonga“ konzipiert, mit grossen Spiegeln, einer Bar, einer Bühne für die Musiker, einer Tanzfläche und den typischen argentinischen Tanzhallentischen für hundert Gäste.

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Ziel des Spektakels, in dem die Zuschauer selbst zu Akteuren werden, ist es, die Leute aus ihrer Isolation herauszureissen und sie hautnah und nachhaltig erfahren zu lassen, was gemeinsam erlebte Emotionen sind.

Galerie

Tango Palace
Tango Palace
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Tango Palace

«Tango Palace» hat im Sommer 1983 am «Zürcher Theater Spektakel» Premiere.

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Alexandras’ Erstlingswerk wird zum Riesenerfolg. Das Zelt ist jeden Abend völlig ausgebucht, die Veranstaltung erhält ein exzellentes Presseecho.
Der «Grupo Corte», wie sich das Tango-Palace-Team nun nennt, ist auf Total 17 Mitglieder angewachsen: Das Orchester «Trio Porteño», mit einem Schweizer Bläser, sowie einem Gitarristen und einem Bandoneonisten aus Argentinien, die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler, die Techniker und das Personal des Theater-Restaurants «Gusto Mundial».

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Nach dem «Zürcher Theater Spektakel» geht «Tango Palace» auf Tournee.
Der «Grupo Corte», wird auch im Ausland enthusiastisch empfangen: Die Reise führt durch verschiedene Stationen Deutschlands, Österreichs und der Niederlande.

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Wie es das Schicksal will, wird der Erfolg von grossen Sorgen getrübt: Ein schwerer Unfall eines unversicherten technischen Angestellten führt u.a. zum finanziellen Ruin. Am Ende der Tournee stehen die Geschäftsträger David und Alexandra mit 60’000 Schweizerfranken Schulden da. Die folgenden vier Jahre verbringen die zwei mit harter Arbeit als Tango-Show-Paar und Tanz-Lehrer im pausenlosen Einsatz, um die Schulden abzahlen zu können.
Tango tanzen ist zur Überlebensstrategie geworden. Mit ihren Auftritten begeistern sie aber in ganz Europa immer mehr Leute für die (wieder)entdeckte Tango-Kultur.

Eine unzertrennliche Beziehung zum Tango

«Tango Palace» hat im Sommer 1983 am «Zürcher Theater Spektakel» Premiere.

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Alexandra ist in der Welt des Tangos nichts verborgen geblieben: Sie hat die ganze Breite des emotionalen Spektrums von Höchst- und Tiefst-Gefühlen erlebt. Nach den vier Jahren beruflicher und finanzieller Abhängigkeit verweigert sie sich dem Tango ein paar Jahre lang, um Distanz zu erhalten und zu reflektieren, welche Elemente dieser «Kultur der Heimatlosen» ihr wichtig sind.

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Heute weiss sie, dass sie zu den Tangobesessenen gehört und ohne Tango nicht leben kann. Sie braucht die Transzendenz des Tangos als Lebenselixier. Die Vorstellung, nur vom Tango zu leben, ist für sie aber ebenso schrecklich, wie die, nie mehr Tango tanzen zu dürfen. Die Illusion, nur glücklich zu sein, wenn der Tango omnipräsent ist, hat sie endgültig abgelegt. Sie weiss auch, dass sie eine gewisse Distanz zu ihrer Tango-Leidenschaft wahren muss.

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Als Tänzerin will sie sich laufend weiterbilden und möglichst viele Stilrichtungen kennen lernen. Es ist ihr wichtig, persönlich vom choreografischen Bühnentanz weggekommen zu sein. Nach ihrer «Tango Palace»-Zeit bedeutete dies für sie einen Neubeginn, der einerseits schwer, aber auch spannend war, weil sie alles Alte ablegen musste.

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Auch als Sängerin und Kreateurin verschiedener Projekte begleitet oder inspiriert sie das Thema immer wieder. Es ist unerschöpflich und bildet, verbunden mit ihrem eigenen Weg zur Leidenschaft, Inhalte und Energie für immer wieder neue und überraschende Ideen und Umsetzungen.

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Über Alexandra Prusa

Viel unterwegs in Zürich, Berlin, Hamburg, München, Buenos Aires und ihrer zweiten Heimat Paris, als Schauspielerin, Sängerin und Medienkünstlerin – lebend, liebend und arbeitend – stets auf der Suche nach dem treffenden Ton, dem ergreifenden Bild und einer Wahrheit in der illusionären Kunstwelt neuer Ausdrucksformen von Tango, Jazz, Theater und Film.

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